Drittes Seminar: von der sexuellen Funktionsstörung zur Funktion sexueller Störungen

Auf dem „Markt“ werden teils vollkommen unterschiedliche Perspektiven und Ansätze im Zusammenhang mit sexuellen Problemen verkauft. So gibt es neben wenigen etablierten sexualtherapeutischen Schulen mittlerweile in der Literatur eine kaum überschaubare Anzahl an Ratgebern, die Empfehlungen für besseren Sex, den Umgang mit oder gar die Überwindung von sexuellen Funktionsstörungen verheißen.

In diesem Seminar geht es darum, verschiedene Schulen und Sichtweisen kennenzulernen, diese intellektuell und auf Grundlage eigener Erfahrungen zu durchdringen und durch die gemeinschaftliche Auseinandersetzung zu einer eigenen, sexualtherapeutischen Haltung zu finden, die eine Begleitung von Klient*innen mit sexuellen oder Beziehungsproblemen ermöglicht. EinE Sexualtherapeut*in braucht sowohl eine Übersicht über verschiedene Konzepte als auch eine eigene konsistente Perspektive. Diese beiden Aspekte werden wir in diesem Seminar erarbeiten. Vielfach wird noch von sexuellen Funktionsstörungen gesprochen – wir kritisieren diesen Begriff, da für uns jede sexuelle Störung eine Funktion hat.

Die Teilnehmer*innen lernen bekannte Sichtweisen kennen und gewinnen einen Überblick über sexualtherapeutische Schulen und Ansätze.

So gibt es verschiedene wissenschaftliche Schulen, die manchmal angeben, auf Grundlage empirischer Belege zu argumentieren und aus dieser Perspektive Lösungsansätze zu entwickeln. Nicht zu leugnen ist, dass die amerikanischen Forscher*innen Masters und Johnson mit ihrer empirischen Forschung grundlegende Pionierarbeit in der Sexualtherapie geleistet haben.

Im Seminar werden die Teilnehmer*innen die Masters und Johnson Sexualtherapie in Form des Senate Focus Übungsprogramms kennenlernen. Die darauf fußenden wissenschaftlichen Ansätze der Hamburger Schule und der Syndiastischen Sexualtherapie/ Charitee Berlin werden skizziert. Grundlegend werden wir zwischen bindungsorientierten und differenzierungsorientierten Ansätzen in der Paar- und Sexualtherapie unterscheiden und auf der differenzierungsorientierten Seite die systemische Sexualtherapie nach Ulrich Clement/ Heidelberg und den Crucible Approach nach David Schnarch/ Colorado skizzieren. Daneben werden wir auch sexualpädagogische Ansätze wie den Sexocorporel-Ansatz und sexological bodywork vorstellen. Beide Richtungen, sowohl sexological bodywork nach Joseph Kramer als auch Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins, erfreuen sich momentan einer großen Beliebtheit, wir wollen die Grundlagen darstellen und die Ansätze verorten.

In diesem Seminar wollen wir uns auch der Frage widmen, inwieweit „Hands-On“-Ansätze wie auch Tantramassage oder sexological bodywork die Sexualtherapie unterstützen/ bereichern oder ggf. auch behindern können.

Für uns ist Sexualtherapie ohne den Körper einzubeziehen undenkbar. In diesem Seminar stellen wir daher die Grundlagen der modernen Körperpsychotherapie nach Wilhelm Reich erfahrbar vor.

Wir stellen die Grundprämissen unseres Beziehungsdynamischen Modells der Paar- und Sexualtherapie vor. Auf Grundlage der sexuellen Beziehungslandkarte, unseres Modells zur Arbeit und zum Verständnis sexueller Probleme, lernen die Teilnehmer*innen, die Haltung hinter einer sexueller Störungen zu erkunden. Es soll für die Teilnehmer*innen erfahrbar werden, dass eine sexuelle Störung in der Regel eine Funktion erfüllt. Dieses Therapietool können die Ausbildungskandidat*innen später auch in eigenen Sexualtherapiesitzungen nutzen.

Die verschiedenen Perspektiven werden wir gemeinsam in diesem Seminar auf verschiedene sexuelle Probleme und Störungen anwenden und diskutieren. Dabei werden die Teilnehmer*innen dazu eingeladen, eigene Haltungen zu „Störungen“ wie Erektile Dysfunktion (Erektionsstörung), Ejaculatio Praecox (vorzeitiger Samenerguss), Inappetenz / Appetenzstörung, Vaginismus (Scheidenkrampf), Anorgasmie (Orgasmusstörung), Dyspareunie (Schmerzen beim Sex),  und Hypersexualität (so. Sexsucht) zu entwickeln.

Stichworte zum Inhalt:

Masters & Johnson, Sensate Focus, Hamburger Schule der Sexualtherapie, Syndiastische Sexualtherapie, Sexocorporel, Sexological Bodywork, Systemische Sexualtherapie nach Ulrich Clement, Grundprämissen Beziehungsdynamischer Paar- & Sexualtherapie, bindungsorientierte vs. Differenzierungsorientierte Sexualtherapie, Körperpsychotherapie nach Wilhelm Reich, Orgiastische Welle nach Wilhelm Reich