Erfahrungsbericht: “Ich wollte mich selbstständig machen…”

Als ich zur Fortbildung „Beziehungsdynamische Sexualtherapie“ fand, hatte ich ein klares Ziel vor Augen: Ich wollte mich selbstständig machen und zwar im Begleiten von Menschen, die sich mit ihrer Sexualität beschäftigen. Aber ich steckte fest in meinem Ich-kann-nicht und Ich-darf-nicht.

Mein beruflicher Werdegang ging über das Studium direkt hin zum Referendariat und dann ins Lehramt. Das war zwar nicht meine Berufung, aber ich war recht gut in dem, was ich da tat und hatte gelernt, nicht nach rechts und links zu gucken, wenn ich mich einmal für etwas entschieden hatte. Ich hätte dazu nicht den Mut gehabt, obwohl in der Reflexion die Stimme schon da war, die eben einen anderen Weg einschlagen wollte. Aber bald schon mischte sich in das Funktionieren Müdigkeit, Traurigkeit, Leere. Das Unterrichten machte mich depressiv.
Zum Glück fand mich in dieser Lebensphase Tantra und ich durch intensives Eintauchen in die Tantramassage den Mut mich neu zu orientieren. Nach der Tantramassageausbildung kam eine Frauenmassageausbildung. In beidem lernte ich viel, entdeckte mich neu und mein Wunschweg begann erste Formen anzunehmen.
Aber ich wollte immer noch mehr, die bisher gelernten Tools genügten mir nicht. Und so fand ich zu Vibhuti und Ananda – beziehungsdynamische Sexualtherapie. Was mich besonders ansprach, war der Einbezug von Körperarbeit. Ich hatte hier in den vorigen Ausbildungen ja schon Berührungspunkte gehabt – das jetzt gekoppelt an eine umfassende Therapieschule faszinierte mich.

Und ich bin sehr froh, dass ich mich entschieden habe, zwei Jahre lang alle zwei Monate nach Berlin zu fahren. Jedes Seminar war herausfordernd. In jedem einzelnen kam ich an meine Themen, an meine Muster. Ich habe viel über mich gelernt und ich habe viele Methoden mitgenommen, die in meiner Arbeit wertvoll sind und sein werden.

Was hatte ich Angst, als ich anfangen wollte, mit Probeklienten zu arbeiten. Auf Menschen zuzugehen, Leute für diese Arbeit zu suchen und einfach anzufangen zu arbeiten – das war für mich eine große Herausforderung. Aber ich habe mich damit auseinanderesetzt, ein Stück weit auseinandersetzen müssen. Denn alle zwei Monate kam ich mit meiner Gruppe zusammen, ich wurde mit meinen Vermeidungsmanövern konfrontiert. An meinen Traum erinnert. Und letztlich habe ich da doch den Mut gefunden, Probeklienten gesucht, die ersten Sitzungen gehalten. Ohne die Rückmeldungen in den Seminaren, ohne die Möglichkeit dort zu üben und die Methoden am eigenen Leib zu erfahren, hätte ich mich das nicht wohl noch ein paar Jahre länger nicht getraut.

Die Gruppe, die mich ebenfalls sehr herausforderte: 16 Menschen aus unterschiedlichsten Beruffeldern. Spannend, welche Beziehungsdynamiken sich in der Gruppe zeigten. Und für mich war das eine besondere Stärke dieser Fortbildung: Die Möglichkeit Beziehungen zwischen Gruppenmitgliedern mit den Tools der Beziehungsdynamik anzusehen, offen in Kontakt zu treten, zu spiegeln. Die Fortbildung war eben alles andere als reine Theorie, sondern Erfahrung im Austausch mit Menschen, Üben an oft realen Themen dieser Menschen, Sichtbar- und Erlebbarmachen dessen, was wir lernen und anwenden wollten.

Besonders nachhaltig gewirkt hat auf mich auch die Präsenz der Seminarleitung. Anandas konfrontative Art, das Spiegeln, das so oft auf den Kern traf und neue Räume eröffnete, seine zwar oft ausschweifenden, aber immer faszinierenden Teachings. Die Offenheit, mit der von beiden die eigene Entwicklung dargestellt wurde. Die Authentizität, mit der Vibhuti und Ananda im Raum waren. Ein Vorbild bleibt mir Vibhuti, wie sie Körperarbeitssessions anleitet, ganz in ihrem Körper, in einer Präsenz, an der man nicht vorbei kommt und die einlädt zu zeigen, sich einzulassen und für mich Erdung ausstrahlt.

Die vielen Bücher, die ich mir angeschafft habe in meiner Euphorie so viel wie möglich aus diesen zwei Jahren mitzunehmen, sind in Teilen noch ungelesen. Aber in mir ist ein Schatz, der sich da über zwei Jahre angehäuft hat, der nach und nach gehoben wird, indem ich weiterlese, weiterdenke und vor allem weiterübe. Mit meinen Klienten und auch immer wieder in der Selbstreflexion.

Was ich mitnehme: Ich finde den Mut mich zu zeigen. Ich höre auf mich klein zu machen. Ich nehme meinen Platz ein. Jetzt, zwei Monate nach der Abschlusswoche in Finkenwerder, arbeite ich an meiner eigenen Homepage, mein fertig eingerichteter Beratungsraum wartet auf mich, von allen Seiten bekomme ich Hilfe. Es ist soweit. Ich werde sichtbar. Und ich habe noch Angst – aber so viel weniger Angst als ich hatte, bevor ich durch die vielen Übungen (Prüfungen 😉 ) im Institut für Beziehungsdynamik gegangen bin.

Was ich noch mitnehme: Kontakte zu den Menschen, die mit mir diese zwei Jahre durchlaufen haben. Ein vielfältiger Haufen – so viel Kompetenz, so unterschiedliche Wirkfelder. Ich bin sehr dankbar, dass ich von euch lernen und profitieren durfte und mein Quäntchen mit einbringen konnte. Ich hoffe euch alle an verschiedensten Stellen wiederzusehen.

Ulrike Görz

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